In den letzten Jahren stand es immer wieder zur Debatte, wie wir als SUB-Kollektiv mit Sexismus und sexualisierten Übergriffen umgehen. Wir haben uns immer wieder mit der Thematik befasst und wollen nun in diesem Text den neuesten Stand unserer Reflexionen vorstellen.

Sexismus und sexualisierte Übergriffe sind ein weit verbreitetes Problem in unserer Gesellschaft. Solche Denkstrukturen kommen leider auch bei Mitgliedern der linken Szene vor (ob unbewusst oder bewusst).
Egal in welcher Form sexuelle Gewalt auftritt (ob körperlich oder auch verbal) – Sie sollte nicht hingenommen werden!

Die Nachbearbeitung von derartigen Übergriffen kann für die Betroffenen sehr belastend sein. Dies soll vermieden werden und daher so rücksichtsvoll und sensibel wie möglich behandelt werden. Die Intention der Täter*innen sollte hier keine Rolle spielen. Auch (oder vor allem) betrunken sein oder andere Wahrnehmungsstörungen der Täter*innen legitimieren nicht deren Handeln.
Es wäre wünschenswert, jede übergriffige Person würde kooperativ handeln und bei Ansprechen ihrer Tat einsichtig sein, ihr Handeln reflektieren und dies zukünftig ändern.
Leider ist dies jedoch nicht immer der Fall.
So zeigen sich Täter*innen oft unkooperativ oder die Situation ist für die betroffene Person so belastend, dass dieser Weg der direkten Konfrontation keine Option ist.
In solchen Fällen kann der/die Betroffene selbstverständlich den Kontakt zu Mitgliedern unseres Kollektivs suchen und seine Wünsche äußern. Die Mitglieder unseres Kollektivs sind per Konsens verpflichtet, unabhängig zur Beziehung zu den Täter*innen den Betroffenen beizustehen.
Wir schmeißen auch ohne zu zögern Personen aus dem Lokal. Falls das Barpersonal verwickelt ist, darf das keinen Unterschied beim Umgang mit dem Vorfall machen.

Auf Diskussionen mit den Täter*innen gehen wir in dieser Situation nicht ein, da das belastend für die Betroffenen sein kann und erfahrungsgemäß nicht zielführend ist. Es liegt dabei auch in der Verantwortung anderer SUB-Besucher, aufmerksam zu sein und geschlossen gegen Sexismus in jeder Form vorzugehen. Wenn euch etwas seltsam vorkommt, ist es immer besser, einmal mehr nachzufragen als einmal zu wenig!

Im nächsten Plenum wird über den Vorfall reflektiert und bei Bedarf werden weitere Maßnahmen besprochen. Auf Wunsch kann die übergriffige Person auch zum Plenum eingeladen bzw. ausgeschlossen werden. Wenn sich die betroffene Person weiter mit dem Fall befassen will, kann sie persönlich kommen, aber auch über Vertrauenspersonen agieren.

Teile der linken Szene vertreten den Ansatz, dass alle weiteren Maßnahmen allein von den Betroffenen beschlossen werden sollen. Wir wollen uns jedoch vorbehalten, untragbare Personen auch dann auszuschließen, wenn der/die Betroffene mit einem Vorfall bereits abgeschlossen hat.
Die Entscheidung dem/der Betroffenen zu überlassen, führt außerdem oft dazu, dass über den Ausschluss hinaus keine Besserung der Täter*innen angestrebt wird. Das kann von den Täter*innen zwar nicht erwartet werden, aber wir als Sub Kollektiv wollen das ermöglichen.

Es sollte bei der Aufarbeitung primär um die Hilfe für die Betroffenen und Sensibilisierung des Umfelds gehen, weniger um die Bestrafung der Täter*innen. Es ist uns wichtig (soweit dies möglich ist), auch einen Umdenkprozess bei den Täter*innen anzustoßen, was die Taten nicht relativiert. Es geht darum, die Verhältnisse zu ändern und nicht darum, Personen auszusperren.
Im Idealfall soll es möglich sein, Personen wieder in die Szene zu integrieren, sofern es ersichtlich ist, dass sie ihr Verhalten reflektiert und geändert haben. Da jeder Fall individuell zu behandeln ist, möchten wir dafür keine allgemein geltenden Regeln aufstellen. In jedem Fall jedoch sollte mit Rücksicht auf die betroffenen Personen gehandelt werden.

Wir glauben, dass mit diesen Maßnahmen ein möglichst konstruktiver Ansatz für solche Fälle geschaffen wird. Wenn ihr Ideen beisteuern wollt oder etwas daran auszusetzen habt, freuen wir uns über eine Erweiterung unseres Blickfelds.

Ein lebendiger Diskurs untereinander ist unverzichtbar um einen Umgang mit solchen Situationen zu verbessern. Ein Fehlen dieses konstruktiven Austausches führte zu einem unzureichenden Umgang mit dieser Thematik.
Wir glauben auch, dass dies einer der Punkte ist, die in der Vergangenheit in Salzburgs linker Szene dazu geführt hat, dass die Situation nicht optimal behandelt wurde. Zu leicht ist es bei diesen Themen möglich, dass die sachliche Ebene aus den Augen verloren wird und auf eine emotionale Basis übergeht.
So wurde von unserer Seite mancher durchaus gerechtfertigter Kritik kein Gehör geschenkt.
Da zu viele verschiedene Standpunkte vorhanden waren, war es uns damals nicht möglich, einen passenden Umgang zu finden.

Wir haben lange diskutiert, sind aber zu keinem Konsens gekommen, was dazu führte, dass wir nicht bzw. unzulänglich reagiert haben. In dem Streit um eine gute Umgangsform mit der Thematik blieben auch die Bedürfnisse betroffener Personen auf der Strecke, was vermieden hätte werden können.
Im Endeffekt brach die Kommunikation mit anderen Personen der linken Szene Salzburgs gänzlich ab, was den Weg zur Besserung zusätzlich erschwerte.

In Zukunft werden wir unser Konzept mit dem Umgang mit sexuellen Übergriffen konsequent in die Tat umsetzen. Wir brauchen jede einzelne Person, um effektiv gegen Sexismus vorzugehen und ihn zu zerschlagen.

Wenn wir alle zusammenarbeiten, können wir dies in die Tat umsetzen!